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Mein Wort des Jahres für 2022: Geduld

Ungeduld ist mein zweiter Vorname. Diese schlechte Eigenschaft ist bei mir so offensichtlich, die bemerken Außenstehende schon nach kurzer Zeit. Dabei bin ich nicht mit anderen Menschen ungeduldig, sondern vor allem mit mir und dem Leben. Ich will alles sofort. Jetzt. Am liebsten gestern schon. Ich beschleunige Prozesse, wo ich nur kann und etwas entstehen und wachsen zu lassen, fällt mir ungemein schwer. Dabei sind Prozesse so wichtig, weil sie uns dabei helfen, auf dem Weg all die nötigen Skills zu lernen. Der Weg ist das Ziel. Bei mir ist aber immer das Ziel das Ziel und wenn ich es erreicht habe, habe ich direkt 10 neue Ziele im Gepäck, die ich als nächstes erreichen will. Daraus resultiert vor allem eine ständige Unzufriedenheit. Mit mir und meinen Erfolgen nicht zufrieden zu sein und dabei eine ständige Getriebenheit zu verspüren. Geduld mit mir selbst und meinen eigenen Prozessen, das möchte ich mir gern zugestehen. Ich habe Pläne und Ziele für dieses Jahr, aber nichts muss. Es ist ein Prozess des Loslassens und Kontrolle Abgebens, etwas, das …

Versagensgefühle.

„Mama, du musst nicht immer versuchen, alles richtig zu machen. Du bist in letzter Zeit so gestresst. Du bist gut so, wie du bist. Du darfst Dinge vergessen.“ So sagte meine große Tochter eines Tages im Auto zu mir, nachdem ich die Wickeltasche vergessen hatte und unser Babymädchen die Windel voll hatte. Wir versagen als Menschen. Als Frauen. Immer wieder. Dabei sind wir permanent damit beschäftigt, möglichst perfekt zu sein. Perfektionismuswahn. Es gibt Frauen, die sich noch in der Nacht hinstellen, um einen Kuchen für den Kuchenbasar zu backen. Wir haben BPA-freie Bentoboxen mit kleinen Apfelstückchen und Dinkelstangen mit auf dem Spielplatz. Wir organisieren playdates für unsere Kinder und fahren mit ihnen zu all ihren nachmittäglichen Aktionen. Wir versuchen gleichzeitig noch, uns selbst zu verwirklichen und mindestens halbtags arbeiten zu gehen. Wir arbeiten in der Kirche mit. Ehrenamtlich. Wir versuchen die ganze Zeit, das Leben zu finden und sind dabei so vollauf beschäftigt, dass es an uns vorbei rast. Wo ist das Abenteuer hin, von dem wir immer geträumt haben? Wie kommen wir aus der …