Elternzeit, Familie
Schreibe einen Kommentar

Wie die Ukraine meine Sicht auf das Muttersein verändert

Mit glitzernden Augen voller wehmütiger Freudentränen starre ich auf ein kurzes Video, was meine jüngste Tochter kurz nach ihrer Geburt zeigt. Was für ein Glück! Pures, unerträglich großes Glück. Liebe. Unendliche, bedingungslose Liebe.

Wie viel Glück kann ich haben, um diese drei Mädchen auf dieser Welt zu haben?

Noch vor dem Krieg und vor Corona, war so vieles selbstverständlich. Wir steckten in unserem sehr vollen Alltag, meisterten Tag für Tag und die Monate und Jahre rasten dahin. Aktionismus und Zukunftsstreben führten dazu, dass wir alle funktionierten und unser Leben sehr oft fremdbestimmt war. Wir hatten keine Zeit, um überhaupt darüber nachzudenken, wie wir entschleunigen und Grenzen ziehen können. Wir lebten einfach. Und wir waren sehr glücklich und dankbar dafür.

Nun ist in Europa die Zeit stehen geblieben. Jeder Tag, jede Nacht zählt. Heute fließt noch Gas. Heute sind die Dieselpreise bei 2,32 Euro. Heute haben 3 Kinder Corona in der Klasse. Heute hat Frida ihre erste Ballettstunde. Wir sind viel mehr im Moment als früher. Wir schätzen Kleinigkeiten, sind demütiger und dankbar für einen ganz normalen Alltag.

Wir müssen beim Arzt warten? Nicht so wichtig, denn wir haben Frieden. Ich schaffe meinen Abgabetermin nicht? Nicht so schlimm. Dafür habe ich heute mit meinen Kindern gelacht und abends im Bett gekuschelt. Mein Mann und ich haben gestritten? Wir haben uns auch versöhnt und sind Arm in Arm eingeschlafen. Er ist da und muss an keine Front. Die Gaspreise explodieren? Ich kann noch beim Bäcker Brötchen kaufen und den sehr teuren Parkplatz zahlen.

Die Zeit bringt Um-denken. Neu-denken. Anders-denken. Es ist ein innerer Aufbruch um die Welt mit dankbaren Augen zu sehen.

Jede Streicheleinheit, jedes Kinderlachen, jeder Sonnenstrahl wird aufgesogen. Dankbarkeit und Wertschätzung sind eine Haltung, die es möglich machen kann, schwierige Zeiten mental durchzustehen. Wir konzentrieren uns nicht auf die negativen Schlagzeilen, saugen diese nicht Sensationslüstern auf und regen uns auch nicht über Dinge auf, die wir nicht ändern können.

Stattdessen sind wir dankbar für alles, was wir haben. Darauf konzentrieren wir uns. Ich fahre weiter zum Ballettunterricht quer durch die Stadt. Backe zum zweiten Mal Zitronenkuchen mit dicker Glasur und pinken Glitzerperlen und freue mich, dass ich Netflix schauen kann, Kaffee habe und Arbeit. Noch mehr Tipps, wie man schwierige Zeiten durchstehen kann, ohne durchzudrehen, habe ich euch hier verlinkt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.