Familie, Schwangerschaft
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Von Sternenkindern und Regenbogenwundern

Lisa-Maria lebt mit Mann und zwei Kindern in Chemnitz. Sie ist Psychologin, Familientherapeutin und Journalistin. Nebenbei gibt sie auch gern Nachhilfe. Sie liebt eine gute Balance zwischen Familienzeit und Auszeit für sich selbst, Zeit zum Schreiben, Musik machen, Lesen, Nähen, Städtetrips und das Kaufen von Second Hand Kleidung.

 

Anfang Januar vor drei Jahren war der Entbindungstermin für unser erstes Kind. Wir hatten so lange darauf gewartet, gebetet, gehofft, waren in Kinderwunschzentren und haben viele Methoden ausprobiert. Als wir uns nicht mehr verzweifelt an unseren Kinderwunsch klammerten, sondern losließen, passierte es – ich wurde schwanger. Selten hatte ich ein solches Glücksgefühl erlebt wie beim Anblick des zweiten Strichs auf dem Schwangerschaftstest. Doch leider währte unsere Freude nur kurz…

Kein Herzschlag mehr

Nur 5 Wochen nach dem positiven Test und gerade mal drei Wochen, nachdem wir im Ultraschall zum ersten Mal das winzige Herz unseres Kindes schlagen sahen, kam der Schock: Die Ärztin verkündete mir, dass unser Wunder nicht weiter gewachsen war und man keinen Herzschlag mehr finden konnte. Ich war damals in der 11. Schwangerschaftswoche, gestorben war das Kleine wahrscheinlich bereits in der achten Woche – kurz, nachdem ich den potenziellen Großeltern und Urgroßeltern von unseren freudigen Umständen erzählt hatte. Ein ungutes Gefühl hatte ich schon einige Tage gehabt, aber mein Körper wollte nicht wahrhaben, was mein Verstand und Herz auch jetzt nicht begreifen konnten. Für uns brach eine Welt zusammen, alle Hoffnung schien zerstört. Die darauffolgende Zeit mit Ausschabung im Krankenhaus und dem Trauerprozess gehört bis heute zu den dunkelsten Tagen meines Lebens. Nichts brachte Trost oder Licht ins Dunkel.

Ein Kind bei den Sternen

Die körperlichen Wunden waren schnell verheilt, die seelischen blieben lange und heilten nur ganz langsam, in kleinen Schritten, über Wochen und Monate. Ich ließ Gott wieder in mein Leben, Freunde und Familie, die ebenso rat- und hilflos unser Leid ertragen mussten. Erst nach und nach erlaubte ich mir wieder zu lachen. Bis dato war jedes noch so kleine Schmunzeln ein ungeheurer Kraftakt gewesen und hatte sich wie Verrat an unserem Sternenkind angefühlt. „Sternenkind“ – ein Begriff, den Eltern wohl nie über die eigenen Kinder sagen möchten. Und doch ein Trost für mich – ich bin überzeugt, dass unser Kind, das nie das Licht dieser Welt erblicken durfte, jetzt ein himmlisches Licht sieht und dass es ihm dort gut geht.
Du bist nicht allein!
Je mehr ich mich mit dem Thema Fehl- und Totgeburten beschäftigt habe, desto erschreckender fand ich, dass es so viele Frauen betrifft und dennoch immer noch viel zu wenig darüber gesprochen wird. Statistiken zufolge enden 12 bis 24 Prozent aller Schwangerschaften in Fehlgeburten – also ist in etwa jede sechste Frau mindestens einmal in ihrem Leben davon betroffen. Doch in Gesprächen mit anderen betroffenen Frauen (und Männern) hatte ich manchmal das Gefühl, die Betroffenen schämen sich für das Erlebte, fühlen sich schuldig, allein gelassen oder nicht ernst genommen in ihrer Trauer. Unsensibles medizinisches Personal, hilflose Angehörige sowie zu wenig unterstützende und begleitende Angebote sind auch Gründe dafür. Gerade deswegen ist der Austausch von Betroffenen untereinander so wichtig. Er kann ermutigen und wieder Hoffnung geben – denn du bist nicht allein!
Insbesondere für Angehörige und Freunde möchte ich ein tolles Angebot empfehlen: eine in zwei Versionen erhältliche Box mit verschiedenem Material zur Trauerbegleitung das “Sternenpäckchen“ für Eltern von Sternenkindern. Es kann an Betroffene verschenkt werden, um Anteilnahme auszudrücken und bei der Bewältigung der Trauer zu unterstützen.

Regenbogen-Hoffnung

Kinder, die nach einer Fehl- oder Totgeburt zur Welt kommen, nennt man Regenbogenkinder. Unsere Kinderwunschgeschichte endete gut: Ich bin beschenkt worden mit zwei dieser regenbogenfarbenen Wunder, für die ich nicht dankbarer sein könnte. Hätte ich unser erstes Kind geboren, würde es unsere fast 2 ½-jährige Tochter heute nicht geben. Die Frage, wie viele Kinder ich habe, beantworte ich dennoch meist mit „Drei Kinder – eins im Himmel und zwei hier auf Erden.“ Und ich bin überzeugt, dass meine beiden Kinder eines Tages ihr großes Geschwisterchen, das jetzt als Sternchen auf sie aufpasst, kennenlernen.

 

Noch mehr zum Thema und einen tollen Buchtipp findet ihr hier.

 

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