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Smartphones, Tablets & Co. – Wie viel Bildschirmzeit ist okay?

In unserer digitalen Welt stellen sich täglich Fragen wie: „Wie viel Bildschirmzeit ist eigentlich in Ordnung?“ Dabei geht es nicht darum, strenge Verbote auszusprechen, sondern gemeinsam eine Balance zu finden, die Raum für echte Erlebnisse lässt. Ich möchte Dir ein paar praktische Tipps an die Hand geben, basierend auf meinen eigenen Erfahrungen und der Arbeit mit Familien und Kindern.

Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, als ich alles dem Spiel geopfert habe – fast wie dem heiligen Gral. Mein Selbstwertgefühl hing einzig von den Erfolgen in meinem Lieblings-Egoshooter und einem Echtzeitstrategie-Spiel ab. Je mehr ich spielte, desto mehr fühlte ich mich gezwungen, noch mehr Zeit vor dem Bildschirm zu verbringen, um in diesen Spielen voranzukommen. Doch dann öffnete ein Schüleraustausch nach Rumänien mir die Augen: Mit Freunden lachte ich, saß am Lagerfeuer, sprang auf einen Pferdewagen und erlebte echte Freiheit – Momente, die mir zeigten, wie schön das Leben abseits des Bildschirms sein kann.

Der Weg aus der digitalen Abhängigkeit war alles andere als leicht. Ich entschied mich für einen radikalen Schritt: 30 Tage komplett ohne Medien. Diese Zeit war eine harte Prüfung – nach 16 Stunden täglich fühlte ich mich innerlich leer und ausgebrannt. Aber gerade in dieser Leere erkannte ich das enorme Potenzial eines Lebens, in dem der Bildschirm nicht alles bestimmt. Ich lernte, wieder mehr Zeit mit Freunden zu verbringen, Sport zu treiben, rauszugehen und das Leben zu genießen.

Aus dieser persönlichen Krise entstand das Fachbuch Ade Avatar. Schritte in die Freiheit, in dem Eltern einen 3-Schritt-Leitfaden finden, um Kindern aus der Sucht zu helfen. Zudem engagiere ich mich aktiv im Fachverband für Mediensucht und habe die Offline Helden gegründet – mit dem Ziel, Familien und vor allem Kindern zu einem gesunden Umgang mit digitalen Medien zu verhelfen.

Hier sind vier praktische Tipps, wie Ihr als Eltern ohne ständige Verbote eine gute Balance im Umgang mit digitalen Medien schaffen könnt:

1. Klare Regeln und Grenzen setzen

  • Bildschirmzeiten definieren: Vereinbart feste Zeiten, zu denen Smartphones, Tablets und Computer genutzt werden dürfen.
  • Medienfreie Zonen einführen: Legt Bereiche im Haushalt – etwa im Schlafzimmer oder beim gemeinsamen Essen – fest, in denen digitale Geräte tabu sind.
  • Verbindliche Pausen: Plant regelmäßig medienfreie Pausen ein, in denen bewusst offline Zeit verbracht wird.

2. Gemeinsame Alternativen schaffen

  • Offline-Aktivitäten fördern: Schlage Aktivitäten vor, die allen Spaß machen – sei es Sport, Basteln, Kochen oder Brettspiele.
  • Gemeinsame Zeit verbringen: Nutzt die Gelegenheit, um als Familie zusammenzukommen und echte Erlebnisse zu schaffen, die den Bildschirm ersetzen.

3. Vorbildfunktion übernehmen

  • Eigene Nutzung hinterfragen: Reduziere auch Du Deine Bildschirmzeit und zeige Deinen Kindern, dass es befreiend sein kann, auch mal ohne digitale Ablenkungen auszukommen.
  • Bewusst offline sein: Setzt Euch gemeinsam einen digitalen Detox-Tag in der Woche, an dem alle bewusst offline bleiben.

4. Kommunikation aufrechterhalten

  • Gespräche führen: Sprecht offen und ehrlich über die Chancen und Risiken der digitalen Welt. Frage Deine Kinder, was sie online machen, und höre ihnen aufmerksam zu.
  • Online-Inhalte thematisieren: Unterstütze Deine Kinder dabei, Inhalte kritisch zu hinterfragen und besprecht gemeinsam, was gut oder problematisch sein könnte.

Bonus: Mit Deinen Kindern ins Gespräch kommen

Ein echtes „Bonbon“ im Alltag ist es, wenn Ihr als Familie regelmäßig in lockerer Atmosphäre ins Gespräch kommt. Setzt Euch einmal in der Woche zusammen – vielleicht bei einem gemeinsamen Spaziergang oder beim Abendessen – und nutzt diese Zeit, um ohne Ablenkung miteinander zu reden. Frage Deine Kinder nicht nur, was sie online erleben, sondern was sie wirklich bewegt. Erzählt auch von Euren eigenen Erfahrungen und hört aktiv zu. Diese regelmäßigen Gespräche schaffen Vertrauen und können oft dabei helfen, Konflikte frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu finden.

Heute bin ich Gründer der Offline Helden. Im vergangenen Kalenderjahr haben wir über 400 Veranstaltungen mit mehr als 13.000 Teilnehmern realisiert. Familien und Eltern kommen zu uns, weil sie wissen wollen, wie sie den Kontakt zu ihren Kindern wieder aufbauen und sie vor der digitalen Überflutung schützen können. Mediensucht ist oft ein Symptom dafür, dass in unserem Leben etwas nicht stimmt. Wir greifen an der Wurzel – wir helfen Kindern, negative Erfahrungen zu verarbeiten, damit sie wieder frei und unbeschwert leben können. Denn Kindheit findet nicht vor einem virtuellen Bildschirm statt, sondern im echten Leben. Wir brauchen eine Gesellschaft, in der Menschen in der realen Welt agieren und den Mut haben, etwas zu bewegen.

Wenn Du das Gefühl hast, dass die Bildschirmzeit in Deinem Haushalt zu viel Raum einnimmt oder Du Unterstützung im Umgang mit digitalen Medien suchst, dann wende Dich an unsere Beratung für Familien und Eltern. Wir sind hier, um Euch zu helfen, den Weg zu einer gesunden Balance zu finden – damit Ihr und Eure Kinder das Beste aus der digitalen, aber vor allem aus der echten Welt herausholen könnt.

Herzlichst Florian Buschmann

Foto by John Mark Smith via pexels.com

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