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“Du bist ein Gott, der mich sieht”

Jedes Jahr ziehen ein paar Menschen einen Bibelvers, der die Christen als Motto durch das Jahr begleitet. Und dieses Jahr, komme ich tatsächlich nicht an diesem Satz vorbei. Er fasziniert mich und vor allem die Geschichte, die dahinter steht. Eine Geschichte, die ich schon als Kind gleichzeitig sowohl faszinierend, als auch irritierend empfand. Es ist die Geschichte der Sklavin Hagar. Hagar bedeutet “Fremde”. Hagar ist die Stammmutter der Muslime, die Nebenfrau von Abraham und Sklavin von Sara, dessen Frau. Sara und Abraham warten vergeblich auf Kinder, sind uralt, so findet Sara die Lösung darin, dass Abraham ihre Sklavin Hagar zur Nebenfrau erwählt, um Kinder zu zeugen. Das ist für uns schockierend, war in damaligen Zeiten in der Kultur aber nicht unüblich. Hagar wird schwanger und bekommt einen Sohn. Sie nennt ihn Ismael. Später wird auch Sara wundersamerweise schwanger. Ihr Sohn heißt Isaak. Sara wird eifersüchtig auf Hagar, es ist ein schwieriges Zusammenleben. Daher wird Hagar gebeten, zu gehen. Gebeten ist das falsche Wort, denn sie hat keine Wahl. Abraham und Sara nennen sie die ganze …