Elternzeit, Familie
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Fastnachts-Treiben

Vor vielen Jahren entschied ich mich für einen Studienort und damit unwissentlich für eine dauerhaft neue Heimat, einen Ort zum Wurzeln schlagen und bleiben. Ich fand hier die Liebe meines Lebens, freundliche Menschen, den Rhein und hüglige Weinberge. Ein guter Ort für ein Daheim und an knapp 350 Tagen im Jahr lebt es sich hier ganz ordentlich und vernünftig.

 

Dann kommt Fastnacht und die ganze Stadt samt Einwohner steht Kopf, ist kaum wiederzuerkennen und folgt einem seltsam eigenen Regelwerk. Wenn man nicht in einer der Fastnachthochburgen am Rhein geboren ist, dann kann einen das närrische Treiben schon befremden und seltsam vorkommen. Fröhlichkeit auf Kommando ist eher schwierig und dann gleich in diesem Ausmaß! Immerhin gibt es leckerste Kreppel und deren Sinnhaftigkeit konnte ich umgehend einsehen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, ungefüllte oder mit Himbeermarmelade, für den Gatten mit Pflaumenmus und für meine Jungs mit Schokoladenpudding, richtig lecker. Jedes Jahr kaufe ich mit Hingabe Berge von Kreppeln, die bei dir vielleicht Krapfen oder Berliner oder Pfannkuchen heißen. Jedes Jahr gruselt es mich bei der Vorstellung, dass ich mich auf das restliche verrückte Theater einlassen soll.

Ausgelassenes Feiern im rumpeligen Alltag

Draußen ist es kalt, trüb und grau und drinnen hat uns der Alltag im Griff, vom rumpeligen Drehen der Welt gar nicht erst zu reden. Nichts scheint ferner zu liegen, als ausgelassenes Feiern auf allen Straßen mit meiner Beteiligung. Jedes Jahr geschieht etwas Merkwürdiges. Kaum stehe ich an der kalten Luft, kaum ziehen die ersten Musikgruppen durch die Gassen und Straßen, fangen meine Füße an zu zucken und zu tanzen. Ich freue mich an der Begeisterung, mit der sich die Kinder verkleiden, bewundere die ausgefallenen Kostüme, die sich so mancher einfallen lässt. Fröhlichkeit auf Kommando ist schwierig, aber trotzdem ansteckend. Wie bei den Kreppeln ist für jeden Geschmack etwas dabei. Nicht jeder mag eine Woche rund um die Uhr durchschunkeln, aber vielleicht ein paar Stunden auf der Straße tanzen, einen Fastnachtskaffee schmeißen oder Motivwagen bestaunen. Manchmal muss man sich zur Fröhlichkeit eben doch entschließen, um dann zu entdecken, wie wohl so ein bisschen Unsinn der Seele tut. Eine Auszeit für eine Länge Blödsinn, eine Runde Geselligkeit, ein Trotzdem zur Garstigkeit der Welt.

Der Winter ist lang und zäh, die Nachrichten wiegen schwer und vieles liegt uns auf der Seele. Um so wichtiger, dass wir Kraft tanken, Gemeinschaft und Freude aneinander haben, miteinander an das Gute und Schöne glauben. Du musst nicht gleich Fastnacht feiern, um dich zur Fröhlichkeit zu entschließen. Aber vielleicht holst du dir ein paar Freunde an deinen Tisch für eine Runde Kreppel, Pizza oder was dir sonst gute Laune macht.

Eine Runde Tanzen im Wohnzimmer, eine gute Zeit mit lieben Menschen. Eine Auszeit für ein bisschen mehr Leichtigkeit. Dann lässt sich auch das Schwere und Herausfordernde besser tragen.

 

 

Foto von pexels.com (c) Coleur

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