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Warum ich gläubig bin.

Ich habe oft das Gefühl, mich erklären zu müssen. Allerdings weiß ich gar nicht, ob es eine Erklärung auf diese Aussage gibt. Daher bleibt dieser Satz als Aussage und nicht als Frage stehen. Ich habe Wunder erlebt in meinem Leben, die mir die Existenz eines Gottes zeigen. Und ja, man muss glauben wollen, um Wunder sehen zu können. Ich habe aber auch viel Leid gesehen, selbst erlebt. Es gibt Momente, da kann man nicht glauben. Da möchte man nicht glauben. Daher lautet die simpe Antwort wahrscheinlich: Ich will glauben. Unweigerlich ist die Frage nach dem „Warum“ mit dem Glauben an einen allmächtigen Gott verbunden. Es wird versucht, Erklärungen zu finden. Die Allmacht wird abgesprochen. Das Attribut „gut“ oder auch einfach seine komplette Existenz. Wie auch könnte man jemals erklären und verstehen, warum Menschen leiden müssen, die nicht leiden sollten? Wie könnte jemand eine Erklärung dafür haben, dass kleine Kinder ohne Eltern aufwachsen müssen, oder warum es uns in Deutschland so gut geht, während in anderen Ländern Menschen brutal sterben müssen? Diese Diskrepanz gilt es auszuhalten. …

Glaube, Liebe, Hoffnung

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 15. November 2015 auf meinem Blog leipzigmama.com   2001, mit 15 Jahren, schrieb ich in mein Tagebuch: “Ich habe Angst. Angst vor Terror. Angst vor Krieg. Die Welt wird nie mehr so sein wie sie mal war.” Ich klebte die Fotos von staubbedeckten Menschen, schreienden Frauen und blutenden Männern in mein Tagebuch und war entsetzt. Seitdem gibt es immer wieder Attentate, nicht erst jetzt. Aber jetzt bin ich erwachsen und kann den Schmerz des Verlustes erahnen, die Angst und Wut und Hilflosigkeit. Wütend macht mich der Krieg, die Attentate in Beirut, in Paris, in der Türkei, die brennenden Asylheime, die vielen unterschiedlichen Berichterstattungen, das “in- die- Schuhe- schieben” und “nicht-Schuld-sein-wollen”. Jürgen Todenhöfer hat vorgestern bei Facebook u.a. folgendes geschrieben: “Der Westen hat im Mittleren Osten Krieg gesät. Jetzt kommt der Krieg nach Europa zurück. Und wir erkennen nicht, dass es unsere eigene Gewalt ist, die wie ein Bumerang auf uns zurückschlägt. Sartre hat das schon vor Jahrzehnten vorausgesagt. Erst wenn wir die Rolle des Westens richtig analysieren, können wir die …

Wir können nicht alles haben im Leben.

Manchmal, wenn ich zu Hause nicht mehr lernen kann, flüchte ich in eine der Universitätsbibliotheken unserer Stadt. Und da sitze ich zwischen all den Studenten, alles Mit-leidende und Mitfühlende. Eine eigene Gemeinschaft. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie voll diese Bibliotheken auch an einem Sonntag sind. Und während ich Stunde um Stunde neben anderen fremden Menschen sitze, kann ich keine Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen. Wenn ich das möchte, kann ich nicht lernen und mal nicht das arbeiten, was ich gern arbeiten möchte. Da ich studiere, können wir an unserem Haus uns nicht sofort alles erfüllen, was wir an Wünschen offen haben. Aber ich studiere, damit die Kinder nicht den ganzen Tag in eine Betreuung gehen müssen. Das war uns als Eltern für unsere Familie wichtig. Also verzichten wir. Wir alle treffen Entscheidungen, die dann schlussendlich unser Leben bestimmen. Inzwischen gibt es sogar eine Krankheit unserer Gesellschaft, die nennt sich FOMO. Es ist die unsagbare Angst, etwas zu verpassen. Und so sitzen Studenten in der Bibliothek und statt zu lernen, starren …

Slow Family living in der Großstadt? Geht das?

Die meisten von uns träumen von einem Leben wie in Bullerbü. Die Autorin von “Die Kinder vom Möwenweg” hat versucht, dieses zauberhafte Bullerbü Leben in unsere Realität zu bringen. Mit ziemlich viel Erfolg, meiner Meinung nach. (Buchtipp am Rande!) Man kann demnach auch im HEUTE eine Art Bullerbü-Leben führen und ich behaupte: Das geht auch in der Großstadt. Slow Family zu leben bedeutet nicht unbedingt, dass es ein Leben auf dem Dorf und ohne Termine sein muss. Sondern, es ist eine innere Haltung, ein Lebensstil. Wir müssen wegkommen, vom klingelnden Handy und hin zu unserem eigenen Herzschlag. Weg von den übervollen Einkaufsstraßen und mit nackten Füßen auf die Wiese. Weniger Facebook, mehr Realität. Slow family bedeutet, sich weniger zu hetzen. Weniger ist mehr. Damit schaffen wir mehr Raum und Ruhe für uns und unsere Beziehungen. Wir können unsere Träume besser verwirklichen und entscheiden, was wirklich wichtig ist. Wir treffen achtsamere Entscheidungen und leben entspannter. Jeder Tag ist machbar in unserem eigenen Tempo. Slow family findet zu Hause statt, in der Natur und in der Stadt. …

slow family life: Von Angst getrieben

*Werbung Im Sommer findet in Leipzig immer eine riesengroße Open Air Veranstaltung in einem großen Park statt. Hier spielt das Gewandhausorchester live und kostenlos und zigtausende Menschen sitzen auf Picknickdecken und Klappstühlen davor und trinken Wein und essen leckere Häppchen. Eine wundervolle Sache. Merlind war mit und Merlind ist sehr freiheitsliebend. Der Mann war so klug und hatte an unsere Walkie Talkies gedacht und so wanderte Merlind allein mit Walkie Talkie durch die Menschenmassen. Zur Bühne, zu einer Freundin die sie gefunden hatte und wieder zu uns zurück. Manchmal fand sie uns nicht, da bekamen wir eine panische Stimme im Walkie Talkie zu hören. Ohne dieses Funkgerät wäre ihr diese Freiheit nicht möglich gewesen. Sie ist 5 Jahre alt und fühlt sich als Mittlere viel größer als sie ist. Sie würde gern einkaufen gehen und im Park allein spielen. Natürlich hat ihr Freiraum Grenzen, weil ich mir nicht sicher bin, ob sie das bewältigen kann und ob sie nicht doch mit jemandem mitgehen würde. Es ist für die Entwicklung der Kinder mehr als nur wichtig, …

4 schnelle Wege um Freude im Alltag zu entdecken

…jetzt kurz vor den Sommerferien ist die Luft raus. Eigentlich ist es sogar ziemlich schwül und stickig. Die Kleidung klebt am Körper, das Baby weint, der Haushalt hinkt und überall ist Sand und Reste vom Freibad. Ich stöhne jeden Tag. Über meinen Alltag. Über das Chaos. Über die Hitze. Über nichts und doch über alles. Und ich merke gar nicht, wie missmutig ich wirke. Ich merke nicht, dass man mir ansieht, dass ich Urlaub brauche. Und ich merke nicht, dass mir meine Freude abhanden gekommen ist. Freude. Was ist das eigentlich? Wenn wir uns freuen, sind wir glücklich. Dies soll aber kein Artikel über Glück werden. “Freude findet sich in den kleinen Dingen des Alltags”, das lesen wir so oft. Doch wie genau geht das? Hier meine 4 Schritte zum (Wieder-) finden der Freude 1.Erkenne, wie gut es dir geht. Dieses Erkennen findet nur statt, wenn ich aufhöre mich zu vergleichen. Wenn ich neidisch darauf bin, dass die ganzen Lehrer jetzt 5 Wochen Ferien haben, bringt mich das nicht weiter. (Ich hätte auch Lehrer werden …

Du bist genug

Die Gesellschaft, der Konsum und der Kapitalismus sind den ganzen Tag damit beschäftigt uns zu sagen, was wir alles noch brauchen, damit es genug ist. Wir sollen uns glücklich kaufen. Wir sollen aufs Dorf ziehen, Holundersirup kochen (nichts gegen Holundersirup) und den tollen Apfelkuchen von Oma Erna backen, damit wir uns wahrlich entspannen und die Hektik der Stadt hinter uns lassen. Wir sollen Freunde einladen, lesen, aufräumen und, und, und… ….wir werden unglücklich. Hektisch. Gestresst. NIEMAND kann Karriere machen, die Kinder glücklich und mit viel Zeit erziehen, den perfekten Haushalt haben, DIY Künstler sein, den Hobbys nachgehen, viele Freunde UND eine perfekte Ehe haben. Diese Woche habe ich dieses wunderbare Video von Nadia Bolz Weber gesehen. Nadia ist diese tätowierte lutherische Pfarrerin. Sie erzählt darin, wie sie viele Jahre versucht hat, alles möglich zu machen. Wie sie versuchte, alles am Laufen zu halten, niemanden zu enttäuschen. “Du kannst alles haben”, war ihr Motto. Geplante Auszeiten in Form von Sport, Wellness und genug Schlaf, damit der Körper diese Belastungen auch aushalten kann, gehören genauso dazu, wie …

Vom Verzichten und Verwöhnen

  Wir lieben den Film “Charlie und die Schokoladenfabrik”, ich hab keine Ahnung wie oft ich ihn schon geguckt habe. Und ich muss jedesmal weinen. (Danke Tim Burton, für deine Filmkunst.)Und wisst ihr, ich weine auch jedesmal an derselben Stelle. Und zwar da, wo Charlie die goldene Eintrittskarte findet, damit nach Hause rennt und (jetzt kommts), sein Opa aus dem alten, verlotterten Bett aufsteht, indem er lebt, indem er schläft und isst (und das mit noch 3 anderen alten Menschen zusammen) und anfängt zu tanzen vor Glück. Das berührt mich. Mich berührt auch, wie Charlie seine jährliche Schokolade, die er zum Geburtstag bekommt, mit seiner ganzen Familie teilt. Und ja, natürlich ist das übertrieben und kitschig, aber ich frage mich mehr, WARUM mich das jedesmal so berührt? Der Film spielt nämlich genau mit diesen Aspekten. Die anderen Kinder in dem Film sind allesamt verwöhnt. Sie kommen aus guten Elternhäusern und sind überhäuft mit allem was sie brauchen und noch viel mehr. Und sie haben allesamt einen verdorbenen Charakter. Macht Verzicht also, dass man ein guter …

Von der Vereinbarkeit, meiner Vereinbarkeit.

  Die letzten Wochen waren sehr anstrengend für uns. Privat hatten wir einiges zu bewältigen, Ostern war auch noch, dann kam die Hochzeit meines Bruders, eine Hausarbeit, ein Buchprojekt, die neue Datenschutzverordnung, die es nötig machte, meinen Blog auf eine .de Adresse umzuziehen und die mich viele Stunden Arbeit kosten wird, ein paar Artikelaufträge und natürlich der alltägliche Wahnsinn. Wäscheberge. Konzertauftritt. Zahnarzt. Optiker. Das Haus. Der Garten. Und mittendrin steh ich, eine 3fache Mama, Studentin, freiberuflich und immer am hin- und herdrehen. Nie stehe ich still. Jeden Tag ist irgendetwas. Und wenn es das Treffen von Freunden ist. Permanent habe ich das Gefühl, nie allem gerecht werden zu können. Ich lebe das Pareto Prinzip, 80% sind super. Damit komme ich gut klar. Und ja, ich kann auch die Küche unordentlich sein lassen und ein Buch lesen. Ich kann das gut von mir abspalten. Ich gehe zum Sport, ich treffe Freundinnen alleine. Ich gehe zum Friseur und gönne mir auch neue Kleidung. Ich würde sagen, dass ich mir selbst so bewusst bin, dass ich auf mich …

Die Angst vorm Allein-sein.

    Ich bin nicht gern allein. Zuhause, ja. Da fühlt sich das fantastisch an. Ansonsten habe ich zum Glück immer mindestens ein Kind bei mir, hinter dem ich mich verstecken kann. Ich habe es verlernt, allein zu sein. Früher war ich gern allein. Ich bin sogar allein ins Kino gegangen, wenn niemand mitkommen wollte. Ich fand es großartig, allein shoppen zu gehen und mich mit einem Buch ins Café zu setzen. Jetzt fühlt sich das komisch an. Wenn ich mal kein Kind mit habe, so ist glücklicherweise immer noch mein Handy mit und damit auch mein Kontakt zu vielen tausenden Menschen. Ich ertappe mich dabei, wie ich auf dem Spielplatz sitze und nach 2min Ruhe mein Handy raushole. Die Kinder spielen und brauchen mich nicht. Ich bin allein. Doch das halte ich nicht lange aus. Doch wie war das früher, als ich einfach nur allein war ohne Kinder? Wieso kann ich heute nicht mehr allein sein, ohne dass es sich merkwürdig und einsam anfühlt? Ich rede hier nicht von Alleinsein mit meiner Familie. Das bin …