Nachdenkenswertes
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Ein Elternteil stirbt – und nun?

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Die Situation, in der Mama oder Papa sterben, ist eine der schlimmsten Dinge, die im Leben passieren können. Ich für meinen Teil möchte lieber nicht über diesen worst case nachdenken, aber ignorieren ist nicht sinnvoll. Und was, wenn es passiert? Was machen wir dann finanziell? Sind wir überhaupt versorgt?

Fiona ist 17 als ihr das Unglaubliche passiert: Ihre Mama stirbt. Krebs löschte ihr Leben innerhalb von ein paar Wochen komplett aus.
Fiona hatte eine glückliche Kindheit. Große Brüder, tolle Freunde, eine liebevolle Mama und einen Papa, der kochte und Brot backte und zu dem sie immer gehen konnte wenn sie reden wollte. Sie hatte ihren ersten Freund mit 16 Jahren und erlebte, wie wunderschön Verliebtheit sein konnte.
Dann kam der Adventssonntag vor nunmehr 13 Jahren und Fiona´s Mama klagte über starke Bauschmerzen. Doch vor Weihnachten gab es keinen Arzttermin mehr. Im neuen Jahr gab ihr der Arzt nur ein paar leichte Tabletten und sagte ihr, dass er da nichts tun könne. Wie Fiona später erfuhr, reagieren Ärzte manchmal auf todkranke Patienten so, damit diese nach Hause gehen und ihre letzten Tage im Kreis der Familie erleben können.
Ein Bekannter von Fiona´s Mama untersuchte sie in dieser Woche noch einmal genauer und stellte fest: Krebs im Endstadium. Die Familie war wie vom Donner grührt. Das ging viel zu schnell.
Damit ihre Familie genug Rente bekam, war Fiona´s Mama sehr selbstlos, resolut und pragmatisch. Sie stand selbst kurz vor der Rente, damals mit 63 Jahren, und wusste, wie viele Tage ihr noch fehlen, damit ihre Familie gut leben kann. Je länger man krank ist und nicht zur Arbeit gehen kann, desto schwieriger ist es mit der Witwen und Halbwaisenrente. Und so ging Fiona´s Mama jeden Tag zur Arbeit. Manchmal nur halbe Tage, weil sie sich stundenlang erbrechen musste und ihre Familie sie wieder abholen musste. Doch am nächsten Tag stand sie wieder auf. Den ganzen Januar lang.
Im Februar musste sie im Bett bleiben. Es ging ihr immer schlechter. Fiona selbst war zu Besuch bei ihrem Freund in einer anderen Stadt, als ein Anruf einer Freundin ihrer Mama bei ihr eintraf: “Komm heim, Fiona, deiner Mama geht es sehr schlecht.” Fiona stieg in den nächsten Zug. Ihre Mama stand aus dem Bett auf, als sie eintraf, putzte mit ihr Zähne und bat sie um Verzeihung für alles, was sie als Mama falsch gemacht hatte. Es war wie ein Abschied. Dann legte sie sich ins Bett. In dieser Nacht verstarb Fiona´s Mama. Wie sie später erfuhr, ging es ihrer Mama schon einige Tage sehr schlecht. Sie verlor zwischendurch das Bewusstsein, halluzinierte und fragte immer wieder: „Wann kommt Fiona denn endlich heim?“

Fiona wurde in dieser tragischen Nacht von ihren weinenden Geschwistern geweckt und konnte ihrer Mama noch Lebewohl sagen. Sie legte sich zu ihr, küsste sie, streichelte sie und verabschiedete sich. Der Schmerz: Unendlich.

Wenn ein Elternteil stirbt ist es besonders schlimm, wenn die Kinder noch hilflos und klein sind. Letztes Jahr hat CosmosDirekt ein sehr gutes ebook heraus gebracht zum Thema: Kindern den Tod erklären. Viele Elternblogger haben mitgewirkt und mitgeschrieben und bei diesem traurigen, aber wichtigen Thema Stellung bezogen. Hier kommt ihr zum Artikel und Buch.

Genauso traurig, aber genauso wichtig, dass wir darüber sprechen, ist das Thema Halbwaisenrente. Was brauche ich, um sie zu beantragen. Wie viel gibt es überhaupt und an wen muss ich mich wenden? Ich kann mir vorstellen, dass man in so einer Situation gern eine Checkliste zur Hand hat, weil man mit Sicherheit keine Kraft hat, sich Informationen mühsam ersammeln zu müssen. Wusstet ihr zum Beispiel, dass man den letzten Ausbildungsnachweis und das letzte Schulzeugnis abgeben muss? Und dass die Halbwaisenrente bis 27 Jahren gezahlt wird, wenn man in einer Ausbildungssituation steht? Eine fantastische Übersicht mit allen Erste-Hilfe Informationen findet ihr hier auf der Seite von CosmosDirekt. Auch Tipps, wie man sich besser absichern kann, findet ihr hier. Wir haben seit 1 Jahr nun eine Risikolebensversicherung. Das war wichtig, als wir das Haus gebaut haben. Ich kann beruhigter schlafen. Und ich werde den Mann gleich mal fragen, wo eigentlich seine Schulzeugnisse sind.

Wir gehen alle davon aus, dass wir so eine Checkliste niemals brauchen werden und ich finde es wichtig und richtig, positiv in die Zukunft zu blicken und sich das Leben in den schönsten Farben auszumalen. Gleichzeitig wissen wir alle, dass wir nicht unsterblich sind und dass wir alle irgendwann von dieser Erde gehen müssen. Es bringt also nichts, vor diesem Thema wegzulaufen. Das Leben ist manchmal härter, ungerechter und tränenreicher als wir uns das wünschen.  Vorsorge ist wichtig und gut und hilft uns, uns in Zeiten des Abschieds auf die Bewältigung der schweren Trauerarbeit konzentrieren zu können.

Fiona und ihre Familie konnte die Trauer gut verarbeiten, auch wenn ihre Mama bis heute natürlich unvergessen bleibt. In den Wochen danach bekamen die Kinder Halbwaisenrente, auch nicht wenig, weil ihre Mama so tapfer bis zu ihrem 63. Geburtstag noch gearbeitet hatte. Das Geld versorgte sie in ihrer Ausbildungszeit. Bis heute fühlt sich Fiona versorgt und umsorgt von ihrer verstorbenen Mama, die sich so selbstlos um ihre Kinder gekümmert hatte.

*Fotos von Juliane Weicker

1 Kommentare

  1. Sehr trauriges, aber auch wichtiges Thema!
    Meine Freundin hat nach dem Tod ihres Vater auch Halbwaisenrente bekommen. Dadurch konnte sie ihr Studium abschließen.
    Liebe Grüße, Simone

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